Um meine nachfolgend gezeigten Arbeiten besser verstehen zu können, vorab eine kleine Einleitung zum verwendeten Material, seiner Geschichte und Herkunft sowie über meine künstlerische Eigenmotivation mich mit diesem Material intensiv auseinanderzusetzen und es in neue Kontexte zu setzen.

 

Im Jahr 2015 kam ich zum ersten Mal an den Münchner Schlachthof, welcher zu dieser Zeit eine florierende Freifläche für junge Menschen darstellte (Und es glücklicher Weise immernoch ist).

Mit legal besprühbaren Wänden ist er Münchens größte Hall of Fame und wird tagtäglich von Menschen aller Art gerne aufgesucht.

Vor allem aber wird hier Graffiti gemalt, ob Anfänger oder alteingesessener Maler, jeder kommt hier vorbei und lebt sich kreativ ganz legal an einer Wand aus. Durch diesen Prozess ist der Schlachthof über Jahrzehnte hinweg zu einem ganz besonderen Ort geworden, ein Ort der in München seinesgleichen sucht.

Ein wichtiger Ort für die Stadt München und die europäische Graffiti-Szene, die hier in München neben London und Amsterdam ihren Ursprung hatte.

Obwohl die letzten Entwicklungen am Schlachthof eine eher traurige Tendenz mit dem Umgang von Freifläche zeigen, wird sich herausstellen, ob und wie dieser Ort in Zukunft im Rahmen von Gentrifizierung und städtischen Bauprojekten weiter bestehen bleiben kann.

 

Genauso besonders wie dieser Ort ist die Ressource, die bei dem bunten Treiben an der Hall of Fame ganz still und leise produziert wird.

Hunderte, wenn nicht tausende Graffitis sind hier seit Jahrzehnten übereinander gesprüht worden und haben eine Art Lack-Gestein gebildet.

Dieses Lack-Gestein repräsentiert sozusagen die Schaffenskraft, mit der jeder einzelne Maler hier seine Gedanken / Meinungen und Ansichten mit anderen teilt und festhält, wobei Festhalten in diesem Kontext eigentlich das falsche Wort ist. Denn jedes dieser Kunstwerke ist immer nur für einen bestimmten, manchmal kurzen, manchmal langen Zeitraum sichtbar.

Das heißt, in vielen Fällen wird am selben Tag oder am nächsten Tag das Bild wieder vom nächsten Maler übermalt.

Das Material jedoch bleibt bestehen und mehr noch, es konserviert sozusagen seit mehreren Jahrzehnten die tausenden Gedanken und Emotionen, die die einzelnen Maler in ihre Werke stecken.

 

Meine Arbeit mit diesem besonderen Material ist vor allem eine Hommage an die Schaffenskraft und Motivation derjenigen, die auf die Straße gehen und sich künstlerisch ausleben. Eine Hommage an die tausenden ungesehenen oder längst schon wieder vergessenen Graffitis, die nun in einem neuen Kontext einen neuen Zweck zugeordnet bekommen.

Ich freue mich, die über die letzten Jahre entstandenen Werke nun teilen zu können und wünsche dir viel Spaß mit den folgenden Seiten.